Trainieren nach Herzfrequenz oder Geschwindigkeit?

 

Die Schnürsenkel sitzen fest, die Uhr ist aktiviert und zeichnet alles auf. Jetzt nochmals tief durchatmen und los.

Am Trainingsplan steht eine Einheit von 120 Minuten in A1, laut meinem Laktattest entweder mit einer Herzfrequenz von 138 - 152 oder einer Geschwindigkeit von 6:45/km bis 6:14/km.

 

Ich fühle mich großartig, bin top motiviert und habe das Gefühl als könnte ich sogar länger laufen als die vorgeschriebenen 120 Minuten, aber ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass etwas nicht stimmt.

Die Geschwindigkeit passt, jedoch ist meine Herzfrequenz bereits bei 169.... Hm was nun? Sollte ja eigentlich nach HF trainieren.

Ich versuche mein Tempo zu drosseln und bewusster zu atmen, um wieder auf die 138 - 152 zu kommen. Leider funktioniert das natürlich nicht, so wie ich mir das vorstelle. 

Langsam steigt die Frustration in mir auf und damit natürlich auch die Frequenz. Mit der Ruhe ist es spätestens ab jetzt vorbei. Immer häufiger wandert mein Blick zur Uhr, die Atmung kippt und es wird für mich immer schwieriger eine konstante Geschwindigkeit zu halten.

Am Schluss kapituliere ich und lasse die Herzfrequenz Herzfrequenz sein. Was zählt ist nur noch meine Zeit.

 

Wieder zu Hause, stelle ich fest, dass die Bedingungen für die Trainingseinheit vielleicht nicht ganz so optimal waren wie gedacht: leicht übermüdet, der Gegenwind, eine kleinen Erkältung. Alles in allem eine enorme Auswirkung auf meine HF.

 

Doch wenn ich mir das richtig überlege - ab wann gelten optimale Bedingungen? 

Ist es nicht so, dass immer irgendwie irgendwas "dazwischen kommt", "irgendwas nicht funktioniert oder nicht stimmt"?

 

Wie ist das bei euch? Trainiert ihr trotzdem nach der Herzfrequenz, auch wenn es bedeutet Trainingseinheiten langsamer anzugehen als eigentlich vorgeschrieben?

Oder macht ihr das so wie ich und achtet nur noch auf die Geschwindigkeit?

 

Freu mich auf eure Sicht der Dinge!

 

LG Eure Adina

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Markus (Dienstag, 06 Dezember 2016 18:08)

    Hi Adina, in solche Situation ist schon jeder gekommen. Also gerade bei längeren Läufen wie bei deinem 120 min-Run steigt die HF logischerweise mit der Zeit an. Das kann zB auch sein, weil du unterwegs zu wenig getrunken hast, etc.. da hast du ja ehh einige Punkte angeschrieben. Also bei mir ist es so, dass ich den Grund dafür zu analysieren versuche und mich danach entscheide ob ich nach Pace oder Puls laufe. Du hast Erkältung angesprochen: da würde ich auf jeden Fall nach Puls laufen bzw. abbrechen. Wenn zB mein Puls nach 2 Stunden etwas ansteigt, und ich mich gut fühle, dann ist mir das relativ egal. Nun ja, bei 169 bpm ist das in deinem Fall vielleicht schon etwas viel, aber dazu kenne ich dich zu wenig um das beurteilen zu können. Und unter uns: Herzfrequenzbereiche sind eher Richtwerte als fixe Regel (auch wenn man das so ja nicht schreiben darf ggg) wenn man da hin und wieder drunter oder drüber ist, ist es nicht so schlimm ;) außer du fallst nach dem Training um :D

  • #2

    Der kleine Bergesel (Mittwoch, 07 Dezember 2016 05:54)

    Meine Empfehlung lautet: Die ruhigen Läufe im Grundlagenbereich, deren Zielsetzung es ist, die Muskulatur und den gesamten Organismus auf eine relativ lange Belastung vorzubereiten und die Energiebereitstellung (Fettstoffwechsel) zu ökonomisieren, nach Gefühl bzw. im Zweifelsfall Herzfrequenzbasierend zu gestalten. Die Tempodauerläufe und Intervalleinheiten dann zeitorientiert zu laufen: In diesen Einheiten geht es darum, den Körper an diese Geschwindigkeit zu gewöhnen.

  • #3

    Franz (Samstag, 25 Februar 2017 09:48)

    Hallo Adina,
    Aus Deinem Blog werde ich nicht ganz schlau, vlt. konkreter aus Deinem Trainingsplan. Eine 120 Minuten Einheit ist schon für ziemlich fortgeschrittene LäuferInnen. Und dann der sehr eingeengte Trainingspuls von 138-152 Schlägen, das sind gerade mal 14 Pulsschläge pro Minute Spanne. Das ist doch Unsinn. Da wirst Du ja verleitet andauernd auf Deine Pulsuhr zu schauen, und kannst nicht die Natur genießen. Ich würde Dir raten mehr nach Pace, aber auch mehr nach deinem Körpergefühl und körperlichem Wohlbefinden zu trainieren. Ich bin ein fortgeschrittener Läufer, trainiere fast nicht mehr mit Pulssteuerung, weil diese höchst theoretischen Trainingsbereiche nicht auf jede Person anwendbar sind. Und auch ein Laktattest als Grundlage ist eine Momentaufnahme. Wenn Du am Tag des Laktattestes gut erholt und gut drauf bist, werden ganz andere Werte herauskommen als wenn Du vlt. zu wenig ausgeruht, übertrainiert oder anderweitig nicht in Form bist. Und bei Frauen kommt auch der Menstruationszyklus dazu.
    Ich rate Dir, mehr nach Pace und mehr nach Deinem Körpergefühl zu trainieren. Und wenn mal Gegenwind bläst, oder Du vom langen Arbeitstag ausgepowert bist, dann nimmst Du auch die pace ein wenig zurück. Und wenn Du gut drauf bist, darfs auch um 10-15 sec pro km schneller sein.
    Bedenke, Dein Körper ist keine Maschine sondern ein komplexes Regelsystem, bei dem viele Faktoren Einfluss haben.