Laufen im Sommer für kühle Köpfe oder "Der Fleiß ist heiß – um jeden Preis?"

Laufen im Sommer - Markus Steinacher - Rosenarkadenlauf 2017
WEMOVE RUNNER Markus Steinacher beim Zielsprint des Tullner Rosenarkadenlauf 6,4km

Es ist kein Geheimnis, dass die Regel Nummer 1 beim Sporteln im Sommer „Trinken, Trinken und nochmal Trinken“ bedeutet. Wieviel ist gut, gesund und notwendig? Ja, speziell bei Laufwettbewerben wird es spannend. Nicht einmal schon bin ich bei Temperaturen jenseits der 30 Grad-Marke am Start gestanden und der Schweiß tropfte vom Rand meiner weißen Funktionskappe. Backofen-Hoch10: in den Schuhen fühlt es sich an, als würde der Kessel knapp vorm Explodieren sein, der Rücken ist allein durch die 15 Minuten Warm Up schon komplett nass.

So erging es mir unlängst beim Rosenarkadenlauf in Tulln

Ich flüchte nach dem Warm Up für ein paar Minuten (bis kurz vorm Start) in das klimatisierte Einkaufszentrum. Aber das nützt mir nicht viel, um den Schweißfluss zu stoppen. So gönne ich mir noch die letzten Schlucke meines mit Bergkristallsalz angereicherten Leitungswassers. Zugegebenermaßen bin ich einer von den Läufern, die mit Abstand am meisten schwitzen (wer glaubt dass er mehr schwitzt wie ich, kann sich gerne mit mir messen). Jedenfalls ist der Sommer für mich immer eine große Herausforderung, weil ich gefühlsmäßig sehr leicht überhitze. Deshalb laufe ich im Sommer auch keine Bestzeiten, weil sich das anfühlt, als würde ich gleich wie ein Druck-Kochtopf explodieren vor lauter Hitze. Mein Körper kommt bei einer 4er-Pace nicht mit dem Schwitzen nach. Wie bei einem Nudelsieb spritzt es förmlich aus allen Ecken. Nun gut, ich stehe am Start des Rosenarkadenlauf (RAL) und es ertönt der Countdown zum 6,4km-Hobbylauf – 5, 4, 3, 2, 1.. GO .. und alle laufen los. Gleich zu Beginn befinde ich mich im Spitzenfeld, welches sich aber bereits nach wenigen Metern sehr weit auseinander zieht. Zwei Läufer setzen sich mit einem irren Tempo vor mir ab. „Bist du deppert…“ denke ich mir.. „oida, denen komme ich fix nicht hinterher…“ also laufe ich die ersten 2 Kilometer alleine auf Position 3 und nähere mich dem Zweitplatzierten. Kurz vor der Abbiegung in den Wald, überhole ich ihn. Er hechelt aus allen Löchern. Kurz danach werde ich von einem anderen Läufer überholt und falle wieder auf Platz 3 zurück. Nun kommt die heiß ersehnte Labestation, bei welcher ich mir zwei Becher Wasser gönne. Einen Becher über den Kopf, den anderen Becher mit einem Schluck hinunter gekippt. Das kostet Zeit und ich werde von einem weiteren Läufer überholt. Somit bin ich aufgrund des Boxenstopps auf Platz 4 gerutscht. Aber so ist es mir lieber, als dass ich wegen einer Platzierung auf das Trinken verzichte. Außerdem kann dieser Läufer seinen Vorsprung sowieso ausbauen. Insofern ist es mir egal. Aber die wirkliche für mich unfassbare „Sensation“ und Anlass für diese Geschichte war der ursprünglich Erstplatzierte, der mit so einem Höllentempo weggestartet ist. In Runde 2, also ca. 1 Kilometer vor dem Ziel, liegt dieser Mann völlig kaputt neben der Labestation in der Wiese. Ich werde langsamer, trinke zwei Becher Wasser, sehe den armen Kerl im Augenwinkel am Boden liegend und denke mir nur: „Bursche, hättest du vielleicht was getrunken oder zu Beginn nicht so Gas gegeben, so hättest du ein schönes Event genossen!“ Ich beende meinen Lauf als Erstplatzierter in meiner AK M-30 (Gesamt: Platz 4) und gönne mir nach dem Zielsprint gleich 10 Becher Wasser.

 

Wasser und Salz – Gott erhalts

Lange Rede, kurzer Sinn: Ohne viel Trinken im Sommer geht bei mir gar nix. Und dazu kommt das Salz, was ebenso sehr wichtig ist. Eine Empfehlung für Elektrolyt-Getränke kann ich nicht abgeben, da ich als Natur-Bursche auf die Kraft von Wasser und Bergkristallsalz vertraue. Warum Bergkristallsalz? Salz schützt bekanntermaßen vor Krämpfen und das natürliche, unbehandelte Salz aus dem Berg (bräunlicher Farbton) liefert viele wichtige Mineralien. Magnesium als Supplement ist für mich kein Thema.

 

Wieviel trinken beim Laufen im Sommer?

Gute Frage, also Wasserbauch sollten wir vorm Start keinen haben ;) also nicht zu viel trinken, gerade so dass wir uns nicht mit einem Durstgefühl an den Start stellen. Zuckerhaltige Getränke sind tabu, nicht nur des Durstes wegen (sondern auch wegen vorhersehbaren Leistungsabfall). Ja, und bitte stets das Wasser-Angebot der Verpflegungsstationen nutzen, einen Becher über den heißen Kopf und einen Becher gegen den Durst. Und wem danach ist, gleich einen dritten Becher zum Nachspülen. Also, während des Laufs lieber einen Schluck zu viel als zu wenig. Wir können uns das gar nicht vorstellen, wie nötig unser Körper das hat. Zuckerhaltige Getränke (zB Coca Cola) bei den Labestationen würde ich nur dann nehmen, wenn ich bereits in einem Leistungstief bin und das Ziel in absehbare Nähe rückt. Der Zucker verleiht mir für einen kurzen Moment Flügel, und wenn wir schon beim Thema sind: das sport-idealisierte Markengetränk, welches Flügel verleiht, gehört zu jenen Getränken, die am Tisch einer Labestation nichts verloren haben.


Artikel von Markus Steinacher (WEMOVE RUNNER)

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