So eine Garmin Sportuhr ist schon etwas Tolles. Wenngleich Sporthändler wie der WEMOVE RUNNINGSTORE damit so gut wie keine nennenswerte Handelsspanne erzielen können, so ist so eine Sportuhr in Verbindung mit der Garmin Connect-App und der dahinter steckenden KI schon ein beachtliches Helferlein für sportlich aktive Menschen, und das in den verschiedensten Sportarten. Das ist der Grund, warum auch Laufsport-Spezialisten wie WEMOVE RUNNINGSTORE Sportuhren von Garmin weiterhin verkaufen, als Service zum Kunden und nicht weil sich damit Geld verdienen lässt.

anaerob zu gering
Abbildung: Garmin-Usern ist diese Anzeige auf ihrer Sportuhr vielleicht auch bekannt. Die Belastung ist optimal, der Fokus auf Anaerobes wohl zu gring

Eine Garmin Sportuhr für alle Fälle?

Bevor wir uns mit dem Belastungsfokus von Garmin beschäftigen, schauen wir uns ein paar grundsätzliche, aus dem Leben gegriffene Dinge zu Garmin Sportuhren an. Eine Sportuhr ist bei Weitem keine reine Lauf-Uhr (so wie manche dazu sagen), sondern auch gleichermaßen eine Rad-Uhr, eine Schwimm-Uhr, etc … und auch eine allgemeine Fitness-Uhr. Nein, eigentlich ist so eine Garmin Sportuhr heute noch viel mehr. Das Gerät misst über die Haut den Schlaf, den Stress, die Herzfrequenz, den HFV-Status und Vieles mehr. Über die KI wird in Echtzeit die sogenannte Body Battery ermittelt und erstaunlicherweise trifft die Messung und Berechnung der Garmin-Software sehr oft den Nagel auf den Punkt, was den aktuellen Gesundheitszustand, den Stress-Pegel und sogar den Energie-Level der jeweiligen gemessenen Person betrifft.

Wenn Sportuhren Stress verursachen

Aber so eine Sportuhr kann auch Stress verursachen und vor allem auch in das eigene Training hineinpfuschen, speziell wenn man gerade nach Lust und Laune trainiert (und daher die Uhr plötzlich von „Überlastung“ spricht) oder aber gerade weil man einen Trainingsplan verfolgt, der nicht unbedingt mit Garmin’s Trainingsphilosophie übereinstimmt. Es könnte sich manchmal sogar auszahlen, die eigene Sportuhr hin und wieder abzulegen und einfach nur nach Gefühl laufen, ohne dem datengetriebenen Wahnsinn, der dahinter steckt. Aber natürlich muss man auch mit den Konsequenzen leben können, wenn man ohne seinen Daten-Kontrollfreak am Handgelenk sportelt. Diese Konsequenzen lauten:

  • Formverlust (nicht real, sondern in der App)
  • Anzahl der gesammelten Schritte stimmen nicht mehr
  • Anzahl der gelaufenen Kilometer stimmen nicht mehr
  • Etc … es fehlen eigentlich nur Daten …

So wie wir Menschen nun mal sind, glauben wir immer nur das was wir unmittelbar sehen. Und wenn die Sportuhr uns sagt, dass wir unsere bisherige Form verlieren, dann kratzt das vielleicht schon mal mehr oder weniger an unserem eigenen leistungsspezifischen Wertesystem (so wie wir uns im Moment fit fühlen).

Garmin's VO2max, an Steigung angepasste Pace und Trainingsempfehlungen

Angenommen unsere VO2max (lt. Garmin, also nicht real) sinkt, weil wir einen Trailrun mit einigen Höhenmetern gemacht haben (das ist in der Tat ein Garmin-spezifisches Problem), dann kann das schon etwas mit uns machen. Einige stellen sich dann vielleicht die Frage: „O Gott, was mache ich beim Training falsch, weil meine besch****** VO2max gesunken ist?“ Manche Menschen macht das in der Tat völlig fertig, anders formuliert: demotiviert, obwohl eigentlich kein Grund dazu besteht. Jaja, das leidige Thema mit der VO2max-Berechnung … als fiktives Beispiel nehmen wir zwei völlig gleich gute Läufer (Läufer A und Läufer B) her, die zu gleichen äußeren Bedingungen (Wetter, Wind, ..) gegeneinander laufen:

  • Läufer A: läuft mit der Garmin-Uhr auf der Prater Hauptallee (flach, einfach hin und her)
  • Läufer B: läuft im Wienerwald (bergauf, bergab, auf Wanderwegen)

Frage: Wer von diesen beiden Läufern wird nach einigen Läufen / einiger Zeit auf Garmin die bessere VO2max angezeigt bekommen?

Meine Einschätzung: Läufer A

Warum? Weil Garmin dahingehend dem Pace/Puls-Verhältnis (.. oder was auch immer hier noch für Daten mit einbezogen werden) mehr Aufmerksamkeit schenkt, als den örtlichen Gegebenheiten. Garmin kennt zwar die jeweilige GPS-Position, aber Garmin weiß nicht, ob dort viele Steine und Wurzeln sind und wie steil / unwegsam es wirklich dort ist, wo gelaufen wird. Garmin errechnet zwar eine an die Steigung angepasste Pace, jedoch ist das meiner Meinung nach nicht wirklich fertig gedacht und fließt meiner Vermutung nach auch nicht in die Bemessung der VO2max hinein. Also eigentlich könnte man sagen, dass man als datengetriebener Trailrunner von Garmin im Vergleich zum Prater-Läufer permanent abgestraft wird. Daher: die Sache lieber nicht so ernst nehmen ggg …

Und auch was die automatischen Trainingsempfehlungen von Garmin betrifft, so traue ich mich durchaus zu behaupten, dass nicht jeder Trainingstipp von Garmin ein gute Idee ist. Nicht einmal habe ich mich von der Sportuhr zu einem relativ knackigen Lauftraining überreden lassen, welches mir dann letztendlich doch nicht so gut getan hat. Speziell wenn man am Vortag eine lange Radtour gemacht hat (150 km +), dann sollte man eine Garmin-Trainingsempfehlung für ein Tempo-Lauftraining am Folgetag vielleicht nicht ernst nehmen.

Garmin's Handgelenksmessung

Das ewige Thema mit der Handgelenksmessung, die immer wieder mehr als ungenau ist, trägt zusätzlich dazu bei, dass man als gewissenhafter Sportler am liebsten die Sportuhr in die nächste Tonne werfen würde, wenn gleich beim Warm Up im Schritt-Tempo die Uhr 145 bpm anzeigt. Das gleiche auch beim Rennradfahren teilweise mit HF-Angaben, die unrealistischer nicht sein könnten. Tipp: manchmal hilft es, dass man sich die Sportuhr so fest ans Handgelenk schnürt, damit die Finger fast blau werden. Dann hat man gute Chancen, dass die Garmin Sportuhr vielleicht doch den richtigen Puls anzeigt.

Garmin's Brustgurte und Distanz-Angaben

Was Abhilfe verschaffen sollte, ist der Brustgurt, der natürlich nur gegen einen schönen Aufpreis (bei den neuen Modellen nicht inkludiert) zusätzlich zu erhalten ist. Und auch damit ist man nicht immer vor komischen Angaben sicher. Was letztendlich für Datenfreaks am besten hilft: die ganze Sache mit den von Garmin gesammelten Daten nicht ganz so ernst nehmen. Genau so ist das ja auch mit den GPS-Distanz-Problemen bei Wettbewerben, wo die Sportuhr mal mehr oder mal weniger Distanz anzeigt, als was tatsächlich gelaufen worden ist.

Lange Rede – kurzer Sinn:

Die Daten und daraus resultierenden Empfehlungen einer Sportuhr sind vielleicht gute Richtwerte, sollten aber nie den gesunden Menschenverstand und das eigene Körpergefühl und Wohlbefinden deaktivieren. Letzen Endes sollte unser Bewusstsein die Entscheidung treffen, ob und was für Sport wir uns heute zutrauen und antun wollen. Das gilt speziell für uns Hobbysportler, wo es „nur“ um die goldene Ananas geht.

Meine Garmin Sportuhr sagt: Anaerob zu gering

Aus gegebenen Anlass möchte ich noch ein Garmin-spezifisches Thema aufgreifen: „Anaerob zu gering“. Was bedeutet das eigentlich und wie ernst ist das zu nehmen? Schauen wir uns das gemeinsam nun näher an. Eines vorweg: Damit diese Garmin-Info überhaupt von Relevanz ist, sollte als Zielsetzung ein aufbauendes Trainingskonzept stehen. Ohne Trainingsplan macht es eigentlich keinen Sinn, sich näher damit zu beschäftigen.

Ich möchte jetzt nicht das 1×1 der Trainingslehre erklären müssen. Was „Anaerob“ bedeutet, kann jeder gerne googlen. Kurz gesagt: Anaerob ist intensiv … sehr intensiv, also kurz bevor wir kollabieren (oder zumindest deutlich unsere aktuelle Leistungsfähigkeit verlieren) sozusagen. Es gibt Menschen, die in diesem Bereich etwas länger durchhalten (je nach Trainingszustand), andere Menschen halten in der Tat nur ganz kurz in diesem Bereich ihre aktuelle Leistung aufrecht. Bei weniger trainierten Menschen erkennt man diesen anaeroben Zustand sehr gut an der Hautfarbe im Gesicht. Man kann auch gerne Menschen dabei fragen, wie viel 5×2 ist. Nur die wenigsten werden mit 10 antworten. Der Körper reduziert in diesem Leistungsbereich auf die rudimentärsten Lebensfunktionen – rationales Denken wird automatisch weitestgehend eingespart. Einen wesentlichen Vorteil hat man hier auf jeden Fall: wir verbrennen zuvor Gefuttertes ohne Ende, manchmal übergeben sich Menschen auch dabei … also das ist „anaerob“.

Aber was ist los, wenn Garmin mir mitteilt, dass ich „Anaerob zu gering“ unterwegs bin? Das kann ja nur bedeuten, dass ich zu wenig hart trainiere, oder? Und JA, eigentlich bedeutet es genau das, ABER: jetzt ist die Frage, welches Ziel ich gerade verfolge. Kennt Garmin mein aktuelles Trainingsziel? Meistens ist das nicht der Fall und NEIN, ich bin nicht der Meinung, dass ich ständig meine anaerobe Belastung auf die Probe stellen muss, nur damit meine Garmin Sportuhr mich lobt.

Was „Anaerob zu gering“ bei Garmin bedeutet

Was den sogenannten Belastungsfokus bei Garmin betrifft, so unterteilt sich dieser in drei Bereiche:

  • Anaerob (wird erreicht durch intensives Training, Intervall, Sprints)
  • Hoch Aerob (wird erreicht durch mittel-intensives Ausdauertraining)
  • Leicht Aerob (wird erreicht durch extensives, lockeres Ausdauertraining)

Je nachdem wie lange (Dauer) wir in welchen Herzfrequenz-Bereichen unseren Sport betreiben, so weist Garmin jede Belastungszeit einem dieser drei Belastungsfokus-Bereiche zu. Wenn ich demnach mehrheitlich locker nach Lust und Laune laufen gehe – nach dem Laufen ohne Schnaufen-Prinzip – dann wird meine Sportuhr irgendwann zu meckern beginnen und mir mitteilen, dass ich eben „Anaerob zu gering“ unterwegs bin. Das kann dann so aussehen:

garmin anaerob zu gering

Das ist ein klassisches Beispiel dafür, dass ich momentan für meine Verfassung laut Garmin viel zu viel zu locker trainiere. Die gestrichelten Kästchen markieren den laut Garmin idealen Bereich. Beim Bereich „Leicht Aerob“ schieße ich aktuell weit über das Ziel hinaus und auch bei „Hoch Aerob“ bin ich ein wenig über der Ideallinie – deutliche Abstriche gibt es dafür im anaeroben Bereich – aber okay: für was soll ich mich jetzt quälen – schließlich verfolge ich aktuell kein Trainingsziel, sondern mir geht es aktuell rein um mein Wohlbefinden. Also warum soll ich mich jetzt von der Garmin Sportuhr stressen und quälen lassen?

garmin akute trainingsbelastung
Abbildung: Für das Laufen ohne Trainingsplan gar nicht so übel.. und dennoch weit aus dem von Garmin empfohlenen Belastungsfokus-Bereichen

Aktuell sehe ich keinen Sinn darin, mich zu quälen. Ich finde es als durchaus sinnvoll, im LIT-Bereich (Low Intensity Training) auch mal weit über das Garmin-Ziel hinaus zu schießen, solange es mir und meinem Wohlbefinden zuträglich ist. Soweit eigenständig dürfen wir sein, meine Meinung. Schwierig ist es natürlich, wenn man auf Strava & Co mit lauter Ehrgeizlern vernetzt ist, denen sofort auffällt, wenn man mal weniger und lockerer trainiert als sonst. Dann wird gleich unterbewusst Druck ausgeübt und hinterfragt, aber das ist ein anderes Thema, was den Titel „Trainingsweltmeister und andere Idioten“ trägt. Mitunter ein Grund, nicht mehr auf Strava & Co zu verweilen. Es interessiert mich einfach nicht (mehr).

Hamsterrad der Trainingssteuerung ohne Trainingsplan … so what!?

Zudem muss ich ja auch andauernd mit der Sportuhr (und den unangenehmen Druckstellen auf der Haut, welche die Uhr und der Brustgurt hinterlassen) leben, damit die Garmin-KI mich ja richtig durch mein Training navigieren kann, oder etwa nicht!? Und schon wieder sind wir im Hamsterrad der Trainingssteuerung gefangen. Da stellt sich die Frage ob das Verwenden einer Sportuhr überhaupt Sinn macht, wenn man ohne Trainingsplan frei läuft? Hhhmmm… ich für meinen Teil sage: JA, ich verwende die Garmin Sportuhr trotzdem, auch wenn ich keinen Trainingsplan verfolge, und zwar unter folgenden Voraussetzungen:

  • Ich sportle auch immer wieder ohne Laufuhr und nehme Lücken in der Daten-Menge daher auch bewusst in Kauf.
  • Ich lasse mich von Echtzeit-Daten-Abweichungen fern der Realität (zB Herzfrequenz, Pace, …) und von fiktiven VO2max-Angaben nicht aus der Ruhe bringen (es ist mir egal).
  • Ich sehe die gesamte Datenwelt von Garmin eher als Richtwert, nicht als exaktes Messinstrument.
  • Ich sammle leidenschaftlich gerne besondere Laufstrecken und Radtouren (wie zum Beispiel meinen Rom Sightseeing-Run, sowie meine Radtouren von Passau entlang der Donau bis nach Wien und meine Salzburger-Alpen-Radtouren).

Ja.. hmm.. lasst mich überlegen, nein.. also das war es eigentlich warum ich Garmin hauptsächlich verwende, nicht mehr und auch nicht weniger, glaube ich .. ja, also .. so einfach kann es als Hobbysportler auch sein.. oder auch nicht ggg

Beitrag teilen: